Helga, Du arbeitest seit 2002 intensiv zum Thema Afghanistan. Für Deinen Film „TEXAS-KABUL“ warst Du 2002 zum ersten Mal in Kabul. Nun bist Du, zusammen mit Deinem Kameramann Lars Barthel und Deiner Tonfrau Nic Nagel, für diesen Film zwischen 2004 und 2007 mehrfach nach Afghanistan gereist, warum dieses intensive Interesse?
Helga Reidemeister:
Ich kann das kaum rational fassen. Afghanistan
und die Menschen dort haben mich spontan sehr berührt. Und das ging
meinem Kameramann Lars Barthel genauso. Wir waren selbst erstaunt,
welche Nähe zu den Menschen und zur Situation im Land sich wie
selbstverständlich entwickelt hat – und diese Nähe ist geblieben, ist
nicht verlorengegangen trotz der Entfernung und all den
Alltagsaufgaben, die uns hier gefangen nehmen. Das Beeindruckendste
an den Menschen ist der „aufrechte Gang“, egal ob da ein Bein ist oder
keines. Die Menschen stehen so entschieden in ihrer Haltung und ihrem
Blick. Sie signalisieren Offenheit, Interesse und haben einen
wunderbaren Humor. Zum anderen ist es natürlich immens
beeindruckend, so ein Land zu erleben, das seit 30 Jahren von Krieg
betroffen ist und wo die Menschen eine enorme Überlebenskraft
ausstrahlen, nicht kapituliert haben und auch nicht kapitulieren werden.
Dieser Stolz, diese vorher nie erlebte Unbeugsamkeit. Das lässt mich
nicht mehr los.
Lars Barthel:
In Afghanistan schauen sich die Leute direkt in die Augen.
Sie betrachten den Anderen ohne Scheu und Konvention ganz genau.
Von oben bis unten. Es scheint, als ob sie sich das Abbild des Anderen
einbrennen. Ihr innerer Film läuft intensiver und langsamer, als der einer
Filmkamera. Mit mehr als 25 Bildern pro Sekunden. Wir haben auf 16mm
Kinofi lm gedreht und da bemerkt man das. Ob sie sich dabei eine
Meinung bilden, weiß ich nicht. Sie speichern Bilder. Sie kommen alle
aus einer weiten Landschaft, wo die Beobachtung des Horizonts und
kleinster Details wichtig ist. Auch das Gesicht des Menschen ist eine
Totale. Alle Lebensspuren liegen darin offen.
Bei Frauen in Burka sind es Hände und Füße, deren Form und
Bewegung in ungeheurer Reduzierung ihre gesamte Weiblichkeit
erzählen. Ist das nicht großartiges Kino? Diese Reduzierung aufs Detail.
Die Burka und auch die dunkelbraunen Umhänge der Männer, darin
fi ndet sich ein formale Strenge und Komposition, womit auch die
klassische Fotografi e und der Stummfi lm operierten.
Insofern erinnern uns die afghanischen Menschen unbewusst an altes
Kino, an dramatisches Kino, an Eisenstein und Buster Keaton, an ein
Land voller entlaufener Statisten aus Metropolis. Wir werden ästhetisch
aufgeladen und verfallen leicht dem Bild vom zeitlosen, unbesiegbaren
Afghanistan. Von der Schönheit und Harmonie, dem Edlen und
würdevollen Afghanen. Dabei zerfällt dieses Land in so viele
rivalisierende Gruppen. Unser Film öffnet die Tür zu zwei Familien und
trifft dort schon auf Streit und kompliziertes Durcheinander, wovon
unsereins lange kaum etwas begreift.
Was hat sich denn in den Jahren seit 2002, seit Ihr das Land kennen gelernt habt, verändert – an den Lebensbedingungen der Menschen, aber auch an den sichtbaren äußeren Dingen?
Helga Reidemeister:
Die Veränderungen finde ich dramatisch und
erschreckend. Afghanistan ist ein Tummelplatz geworden für
Kriegsgewinnler und Geschäftemacher. Von den Milliarden, die als Hilfe
in das Land fl ießen, kommt nur ein Bruchteil bei den Menschen an. Es
gibt eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung, in der gesagt wird, dass in
2002 von den Hilfsgeldern 81 % für Militär, Polizei und Sicherheit
ausgegeben wurden, 16 % für Verwaltung und nur 3 % bei der
Bevölkerung ankamen. Die Mauern, Wachtürme, Stacheldrahtzäune und
unzähligen Sicherheitsmaßnahmen werden ständig erweitert. Die Jeeps
der ausländischen Organisationen werden immer größer. Das hat immer
weniger mit den Menschen, die dort leben, zu tun. Die Straßen sind
immer noch bzw. wieder neu aufgerissen von Sicherheitsfahrzeugen und
Panzern. Es gibt keine regelmäßige Stromversorgung, nicht genügend
Schulen und Krankenhäuser. Die Infrastruktur für die Bevölkerung ist
nach wie vor katastrophal.
Erschreckend ist die Veränderung in der Haltung der Menschen. 2002
wurden wir als Freunde empfangen, es gab viele Einladungen zum Tee.
Inzwischen gefährden wir als Ausländer die Menschen, die wir dort
treffen. Wir sind nicht mehr die deutschen Freunde, wir sind
ausländische Feinde geworden. Immer mehr Menschen, quer durch
die Bevölkerung, unterstützen den wachsenden Widerstand gegen das
ausländische Militär.
Die Menschen erleben, dass die Versprechen nicht eingelöst werden, die
Infrastruktur nicht aufgebaut wird, die Demokratisierung nicht
vorangeht. 132 Parlamentarier des afghanischen Parlaments halten
Milizen, d.h. Menschen unter Waffen für ihren eigenen Schutz, für ihre
eigenen Interessen. Sie bekommen zum Teil sogar Stillhaltegelder, um
ihre Macht nicht einzusetzen.
Nic Nagel:
Bei unserem letzten Besuch 2007 empfi ng uns schon am
Flughafen ein Plakat von Siemens und es wurden uns Telefonkarten der
diversen Mobilfunkanbieter feilgeboten. Während bei uns die Tarife in
den Keller gehen, sind sie dort noch immer völlig überteuert. Aber das
größte Geschäft ist sicherlich die Sicherheit. 2002 sind wir noch zu Fuß
abends zum Essen gegangen, das letzte Mal mussten wir spezielle
Sicherheitstaxis nehmen und die fahren nicht mal bis zum Stadtrand.
Ein anderer Punkt ist die Frage der Bildung. Es heißt immer, Bildung sei
der Schlüssel zur Entwicklung des Landes, aber jeder Afghane, der
halbwegs lesen und schreiben kann, versucht einen lukrativen Job bei
einer Hilfsorganisation zu bekommen, wo er gut das 10fache eines
Lehrergehaltes verdient.
Lars Barthel:
Kabul war im Winter 2002 noch eine leere Stadt. Es war
so eine Stille nach dem Krieg. Der Schnee lag über den Ruinen. Es war
schön in Kabul. Viele Frauen trugen keine Burka. Die deutschen
Soldaten standen noch mit ihren Jeeps stundenlang inmitten der Stadt,
lächelten die Leute an und verteilten Bonbons an Kinder. Gefährlich für uns waren die Amerikaner. Diese Kampfmaschinen waren so
programmiert, dass man ihnen nicht in die Quere kommen durfte. Sie
waren wie Kampfhunde ohne Auftrag an den eigenen Verstand.
Wie habt Ihr zu Hossein und Shaima gefunden?
Helga Reidemeister:
Mein Ausgangspunkt war das Orthopädische
Zentrum von Kabul, das von einem wunderbaren italienischen Arzt,
Alberto Cairo, 1990 aufgebaut wurde. Wir hatten keine festen
Vorstellungen, gingen aber davon aus, dort Kriegsverletzte zu fi nden,
die uns interessierten. Ich hatte viel gehört von der Klaglosigkeit und
Tapferkeit der Afghanen, bereit ihr Schicksal anzunehmen als Prüfung
von Allah. Alberto Cairo bot uns an, einen Pfl eger zu begleiten, der
Patienten betreut, die zu Hause leben. So kamen wir in Hosseins
Familie. Gleich beim ersten Besuch mit der Kamera, die mein
Kameramann nicht versteckte und auch nicht wie eine Waffe auf der
Schulter trug, sondern wie ein Kind im Arm. Wir drehten spontan die
unerwartete Begegnung mit Hossein im Hof und wurden zum Tee
eingeladen. Der Pfleger verabschiedete sich und wir gingen ins Haus.
Plötzlich tauchte Shaima auf mit ihrer kleinen Tochter Sabna. Es lief
jemand los, um etwas zu Essen zu besorgen, es wurde gekocht, viel
gefragt und geredet. Es herrschte eine entspannte und herzliche
Atmosphäre, aber natürlich verstanden wir nicht alles. Dann erzählte uns
unsere Dolmetscherin, dass Hossein diese Frau, Shaima, liebt und seine
Mutter darüber sauer ist, wenn sie kommt. Das kam mir bekannt vor und
hat uns neugierig gemacht und dieser Spur bin ich gefolgt.
Ihr kommt ja dieser Familiensituation und den Menschen sehr nahe.
Man kann sich das eigentlich kaum vorstellen, wie das funktionieren
kann, dass Menschen vor der Kamera ihre Familienangelegenheiten
so offen besprechen und auch ihre Meinungsverschiedenheiten und
Gefühle nicht verstecken.
Wussten Shaima und Hossein, wussten
die anderen eigentlich, was Ihr da macht?
Helga Reidemeister:
Sie wussten so wenig wie wir, was dabei
herauskommen würde. Sie haben gespürt, diese Menschen
interessieren sich für uns und darüber haben sie sich gefreut. Das war
etwas Ungewöhnliches für sie. Meine Erfahrung ist, je ärmer die
Menschen sind, je weniger sie besitzen, je mehr sie um ihre eigene
Existenz kämpfen müssen, desto offener, gastfreundlicher und herzlicher
sind sie. Sie sind bei sich, sie verstecken sich nicht, es gibt kein Visier.
Dazu sind die Verhältnisse zu bitter und zu schmerzlich. Bei unserer
zweiten Reise haben wir ihnen das Filmmaterial auf unserem Laptop
gezeigt, um ihre Reaktion zu erfahren. Die Freude, sich selbst so beachtet zu sehen, überwiegt so
sehr, dass eine kritische Refl ektion während der Entstehung kaum
stattfi nden kann, d.h. ein Vordenken, welche Auswirkungen der fertige
Film haben könnte. Das gilt für uns Filmemacher in ähnlicher Weise.
Die Freude, willkommen zu sein, die überraschende Unverstelltheit und
Freundlichkeit schenkt Vertrauen in die Situation. Wie sie konnten wir nur
hoffen, dass die versprochene Demokratisierung stattfi ndet und keine
Verengung auf traditionalistische Werte.
Lars Barthel:
Ich weiß noch, als wir das erste Mal zu Hosseins
Familie in den Hof kamen. Es war vormittags, da steht Hossein in
seinem Gestell, hinter ihm, in die Mauer, sind zwei große, ineinander
verschlungene Herzen eingeritzt. Er sieht uns, lächelt und beginnt auf
uns zuzulaufen. Es war einer jener
Momente, den Filmemacher wie ein Geschenk erleben. Ein magischer
Augenblick. Dieser junge Mann kannte uns nicht und kam nun in
seinem Gestell auf uns zugehumpelt. In seinem Lächeln lagen Neugier
und Zweifel.
Da haben wir gleich gedreht. Das ist Dokumentarfilm. Diesen Moment,
wie Hossein auf uns zukam, den durften wir nicht verpassen. Er steht
nun am Anfang des Films. Diese Momente besonderer Intensität, freilich,
die muss zuerst der Kameramann erspüren und drehen. Er muss dafür
einen eingebauten Schalter im Kopf haben. Aber die Regie erschafft
ganz entscheidend diese Momente mit.
Zuallererst war es Helga, die eine Beziehung zu unseren Helden
aufbaute.
Sie geht dafür ihre eigenen, manchmal für mich fast zu fürsorglichen
Wege.
Sie interessiert sich so sehr für die Leute, dass sie mit deren Sorgen
beginnt mitzuleiden. Dann sind das für sie auch keine Protagonisten
mehr, sondern Vertraute, vielleicht eine Art Freunde. Nun musste sie
aber in Afghanistan erleben, dass sie von den Problemen ihrer Freunde
nichts verstand. Auch wegen der Sprache, aber vor allem wegen ihrer
Kultur. Einen Dokumentarfi lm machen, bedeutet für Helga aber nicht nur
zu dokumentieren, sondern Sorgen zu teilen und nach
Lösungsmöglichkeiten zu fragen und zu suchen. In dieser Geschichte
von Hossein und Shaima wurde das zu einer verwirrend
vielschichtigen
Aufgabe, deren Ende nicht abzusehen ist.
Was waren die größten Herausforderungen oder auch
Schwierigkeiten für Euch als Filmteam?
Helga Reidemeister:
Zum einen natürlich die Sprachbarriere. Es wurde
Dari, eine persische Sprache, und Pashtu, eine arabische Sprache,
gesprochen und das auch noch in verschiedenen Dialekten. Das Pashtu
enthält so viele linguistische Ausdeutungsmöglichkeiten, dass je nach
Übersetzer und dessen Alter, eigener Bildung, Herkunft und politischem
Verständnis die Dinge ganz verschieden übersetzt wurden. Das war vor
Ort, aber auch vor allem in der Aufarbeitung der Gespräche in
Deutschland, eine mühevolle Arbeit. Wir haben mit sehr verschiedenen
männlichen und weiblichen Übersetzern gearbeitet und immer wieder mussten wir Aussagen korrigieren, bekamen Äußerungen eine neue
Dimension oder Bedeutung.
Nic Nagel:
Ja, die Übersetzungen, ich erinnere mich. Wir haben vor
Ort alle Gespräche von Studenten in der jeweiligen Sprache abtippen
lassen, nur um dann herauszufi nden, dass keiner unserer Übersetzer
in Berlin etwas mit den Transkriptionen anfangen konnte. Anscheinend
kann man den tatsächlichen Sinn der Sprache nur oral - also mit Stimmmelodie und Ausdruck - erfassen. Mir war das schleierhaft, aber
es zeigt auch, wie viele Unterschiede es zwischen unserer und der
afghanischen Gesellschaft gibt und wie schnell Missverständnisse
entstehen können. Wenn man den Menschen aber gegenübersteht,
ihnen in die Augen schaut, dann spielt das alles keine Rolle mehr, dann
kann man sich auch ohne Worte verstehen. Ich hatte ja das große Glück
als Frau Zugang auch zu den Frauenbereichen zu haben. Die Frauen
kamen mir mit einer derartigen Zärtlichkeit entgegen, dass ich mir
vorkam wie ein roher Klotz.
Helga Reidemeister:
Zum Beispiel Shaimas Geschichte mit ihrem Vater.
Sie wollte, dass wir mit ihm sprechen. Das hat mir viel
Kopfzerbrechen bereitet. Mir war klar, dass der Vater mich als Frau gar
nicht ernst nehmen würde, die Gesprächsführung nur ein Mann
übernehmen kann, der dem Vater imponiert, also sicher kein
Student von der Universität. Aber letztlich war es verblüffend einfach.
Die Gesprächsführung übernahm unser Fahrer, der seit Jahren von den
Ausländern hoch bezahlt wurde und selbst vier schöne Töchter hat, die
alle zur Schule gehen und deshalb eine Respektsperson für den Vater
war. Allerdings konnte der Fahrer kein Wort englisch oder deutsch. So
brauchten wir noch einen zweiten Dolmetscher, der mich verstehen
konnte und dem Fahrer klar machen konnte, worauf ich hinaus wollte.
Der Fahrer begann, Shaimas Vater nicht endende Komplimente über die
Schönheit seiner anwesenden Töchter zu machen. Der Vater war dann
kaum noch zu stoppen.
Lars Barthel:
Keine Schwierigkeit, sondern ein besonderes Glück: Wir
haben auf 16mm Film gedreht. Fast jeder Produzent heutzutage schlägt
die Hände über dem Kopf zusammen und erklärt allen Ernstes, er könne
eine Produktion auf Film nicht fi nanzieren. Wie albern. Das ist keine
Frage des Geldes. Das ist die Entscheidung für eine Kultur.
Mit Helga habe ich jetzt 6 Filme auf Film gedreht. Für uns beide ist das
die beste Arbeitsweise. Warum? Sie bringt das beste Ergebnis. Sie
bietet die Möglichkeit zu höchster Konzentration beim Dreh. Sie bietet
glückliche Pausen und freie Zeit, weil nicht zu viel Überfl üssiges gedreht
wird. Wir können uns unterhalten und die Dinge versuchen zu verstehen.
Wer immerzu dreht, ist wie ein Hund, der seinem Herrn hinterherläuft.
Es ist übrigens einfacher für einen Kameramann alles zu drehen. Er hat
weniger Verantwortung, trifft weniger Entscheidungen über das Ein- und
Ausschalten der Kamera, über Drehort, Kadrage und Licht. Der
Kameramann hat das Alibi, außerordentlich beschäftigt zu sein. Und ist
fix und fertig nach dem Dreh.
Wie geht es Hossein und Shaima heute?
Helga Reidemeister:
Ich habe sie zuletzt im November 2008 gesehen,
um ihnen den Film zu zeigen. Für die beiden hat sich die Situation
verschlimmert. Hosseins Mutter hat mittlerweile für Shaima ein
Hausverbot ausgesprochen, Shaima darf nicht mehr zu Hossein nach
Hause kommen. Und Hossein wird massiv unter Druck gesetzt, wenn
er sich mit ihr außerhalb des Hauses trifft, was für ihn ja eine riesige
Anstrengung bedeutet. Er muss sich an seinem Gehgestell nach
draußen quälen und es muss auch Geld da sein für ein Taxi. Shaimas
Vater fordert verstärkt von dem Ehemann das restliche Brautgeld, weil er
natürlich Shaima voll „verwerten“ will. Sei es für diesen Mann oder – falls
eine Scheidung zustande kommt, was wir versuchen zu unterstützen -
für einen neuen Mann, der für Shaima das volle Brautgeld zahlt - was
Hossein sehr fürchtet. Er selbst kann dieses Geld nicht aufbringen und
ist als Invalide sowieso nicht akzeptiert.
Wie beurteilst Du die Anwesenheit der Bundeswehr in Afghanistan?
Helga Reidemeister:
Ich plädiere für einen Rückzug, so schnell wie
möglich. Es ist im Verhältnis zu den vielen Jahren, in denen sich die
ISAF dort unten bewegt, doch peinlich, wie wenig geschafft wurde. Es
gibt kein Vertrauen in der Bevölkerung mehr, dass die Anwesenheit der
Bundeswehr irgendetwas ausrichtet. Unsere Soldaten werden immer
mehr – das war am Anfang anders - als Vasallen und Knechte der
Amerikaner wahrgenommen. Und die Amerikaner sind immer mehr
verhasst, sie bomben seit drei Jahren mit Napalm südlich von Kandahar.
Ich kenne Augenzeugen – eine Tatsache, die von den Medien nicht
thematisiert wird, so wenig wie die seit einigen Monaten Bomben
abwerfenden ferngesteuerten und unbemannten Flugzeuge im Süden
des Landes. Das Land ist noch voller Minen und es wird schon wieder
gebombt. Das ist aber kein Krieg. Das sind alles „Friedenserhaltende
Maßnahmen“.
Das Gespräch führte Petra Franke